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Global Logistics

Autor: Prof. Dr. Michael ten Hompel
Erschienen in: Walter Grünzweig (ed.): The United States in Global Context. LIT Verlag, Münster, distr. Transaction Publisher, New Brunswick, ISBN 3-8258-8262-4.

Private Ansichten eines Logistikers auf dem Weg von New York nach Frankfurt

Das gelbe Taxi schwankt etwas altersschwach und weich in den Achsschenkeln zum Kennedy Airport. New York im April. Die ersten warmen Tage tragen den Duft der Großstadt durch das halb geöffnete Fenster. Ich denke an den schönsten Moment der letzten zwei Tage: Im lockeren Trab durch den Central Park im Frühling laufen und die vielfarbig blühenden Bäume vor der unwirklichen, steinernen Kulisse vorüberziehen lassen. Man kann sich schon verlieben in diese Stadt.

Heinz sitzt neben mir und zeigt mir seinen Pass. „Ich muss unbedingt einen neuen beantragen, wenn wir zu Hause sind.“ Ich betrachte das rote Büchlein und zähle dreiundfünfzig Einreisestempel der USA auf den gelblichen Seiten des Dokumentes. Der Pass ist vier Jahre alt.

Heinz arbeitet wie ich an der Schnittstelle zwischen Logistik und IT. Jener Disziplin, die sich anschickt, zur ersten weltumspannenden industriellen Dimension zu werden, welche die Informations- und Warenflut der Internet-Gesellschaft zu bändigen sucht. Wir haben mit unseren amerikanischen Kollegen diskutiert, wie die letzte Meile zum industriellen und privaten Kunden effizient überbrückt werden kann. Jene wenigen Meter, die auch bei globaler Betrachtung des Themas Logistik das meiste Geld kosten. Wieder einmal fällt mir auf, wie gut die Kollegen auf unseren Besuch und das Thema vorbereitet waren und wie schnell wir im Gespräch auf das Ziel zugesteuert sind. Nach drei Stunden hatte sich der Besuch im positiven Sinne erledigt und man ging mit dem guten Gefühl auseinander, unser Projekt einen Schritt weiter gebracht zu haben. Nach einem Gespräch gleichen Inhaltes, häufiger in Deutschland geführt, geht man mit den hiesigen Kollegen mit einigen Problemen – Pardon, Herausforderungen – mehr auseinander.

Die Logistik und insbesondere die technische Logistik im Sinne einer weitgehend automatisierten Materialflusstechnik ist einer der wenigen technischen Disziplinen, die zurzeit durch europäische und insbesondere deutsche Entwicklungen maßgeblich bestimmt werden. So wurde etwa die Hälfte aller Warehouse Management Systeme, die weltweit im Einsatz sind, von deutschen Firmen geliefert. Trotzdem werden die Themen überwiegend aus den USA vorgegeben, während der Eindruck entsteht, das Amerika mit gewissem Unverständnis registriert, dass man neue Entwicklungen offensichtlich unter gar keinen Umständen mit ihnen teilen möchte.

Der globale Sprachraum ist für den Logistiker hingegen längst Wirklichkeit geworden. In deutschen Gremien wird längst nicht mehr über das Wesen des Lagerns sondern über Warehouses, Radio Frequency Identification und Fourth Party Logistics Provider gesprochen und unlängst wurde in einem Arbeitskreis diskutiert, dass TSU (Transport and Storage Unit) ja wohl wesentlich besser als das „Ladehilfsmittel“ beschreiben würde, worum es geht. Viele betrachten dies als Verfall der guten Sitten und als Verlust deutschen Sprachgutes. Wir gewinnen aber an Verständnis über die Grenzen hinaus.

Inzwischen sitze ich längst wieder im europäischen Airbus, trinke kalifornischen Rotwein einer französischen Traube, tippe in mein irisches Notebook und freue mich auf das Deutsche Brötchen bei Muttern nach der Landung.

Nachtrag: Kaum zwei Tage zu Hause, trifft das Bild ein, welches Heinz und ich mit viel Brimborium in der kleinen Galerie am Broadway kauften. Hätte ich es in München gekauft, wäre es auch nicht schneller bei uns gewesen – Global Logistics.

 



(C) Michael ten Hompel  |  Dortmund, Germany