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Revolution? Revolution!
Industrie 4.0 - die vierte Industrielle Revolution

Autor: Prof. Dr. Michael ten Hompel
Erschienen als Editorial des Softwareführers 2013 des Huss-Verlages

Nach der Erfindung der Dampfmaschine, des Generators und des Computers wurde jüngst die vierte industrielle Revolution ausgerufen. Stellt sich die Frage, welche Erfindung hat die Kraft, dieses Mal unsere Industrie zu revolutionieren? Die Antwort fällt nicht so leicht, wie die Male zuvor.

Natürlich hat das Internet unsere Welt verändert, Maschinen kommunizieren mit Maschinen und das Internet der Dinge wird jeden Tag ein Stück mehr Realität, doch das ist weder neu, noch revolutionär. Bei Licht besehen war allerdings jede der drei industriellen Revolution zuvor auch nicht mehr als die konsequente Umsetzung des Machbaren mit dem Anspruch, die Welt auf den Kopf zu stellen. Revolution ist nicht eine einzelne Erfindung, sondern das, was wir daraus machen.

Auf der Suche nach dem Machbaren ist zumindest in der IT festzustellen, dass inzwischen alles realisierbar erscheint. Jede Grenze, die am Horizont auftaucht, fällt nur wenige Monate später: Im LiveCache laufen Datenbanken mit hundertfacher Geschwindigkeit; Speicher im Petabyte-Bereich verarbeiten auch das größte Datenwachstum und Breitbandnetze erlauben riesige Datenmengen in Sekundenschnelle zu übertragen.

Die vierte industrielle Revolution wird von einer Technologieexplosion begleitet, deren Entwicklungsgeschwindigkeit ihre sinnvolle Anwendung überholt. Das allein ist schon revolutionär – insbesondere, wenn wir einen Blick auf das werfen, was sich im Kleinen abspielt. Eingebettete, sogenannte „Cyberphysische Systeme - CPS“ werden immer intelligenter. Es wird nicht mehr lange dauern und in der Logistik werden Behälter per Kamera ihren Kommissionierer erkennen, per Sprachausgabe ein zwangloses Gespräch beginnen und ganz nebenbei ihre Bestände und die Temperatur am Arbeitsplatz kontrollieren. Sie denken, das ist Science Fiction? Wohl kaum – technisch ist all das schon heute für ein paar Euro machbar.

Ein wesentlicher Aspekt auf dem Weg, die Welt auf den Kopf zu stellen, ist die Selbstbeschleunigung. Sie kann dadurch entstehen, dass immer mehr CPS mit dem Internet verbunden sind und anfangen, sich untereinander zu unterhalten. Maschinen werden sich untereinander vernetzen, virtuelle Schwärme entstehen, die sich wiederum mit anderen Schwärmen vernetzen und letztendlich sich selbst und einen guten Teil der logistischen Welt selbst organisieren.

Jetzt kommt es darauf an, Applikationen zu finden, die diese Möglichkeiten nutzen und zugleich einen unmittelbaren Nutzen vermitteln – und die Revolution beginnt. Eine Revolution, die im Gegensatz zu allen vorhergehenden, von Menschen ausgerufen wurde, die sich alle jenseits der Fünfzig bewegen. Ihr Ruf wird verhallen, wenn nicht eine junge Generation die Chance ergreift, Geschichte zu schreiben. Wir tun deshalb insbesondere in Europa gut daran, junge Menschen wieder für die Zukunft zu begeistern, dafür, den Wandel aktiv zu gestalten. Dies wird nur gelingen, wenn wir bei aller Technikbegeisterung den Menschen in den Mittelpunkt stellen - ein Punkt, der bei allen bisherigen industriellen Revolutionen versäumt wurde.

 



(C) Michael ten Hompel  |  Dortmund, Germany